Alina
Stronger Together
Ich bin Alina, 26 Jahre alt und wohne in Freiburg im Breisgau.
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Meine Suchterkrankung ist die Bulimie, die sogenannte „Ess-Brech-Sucht“. Knapp 10 Jahre bestimmte diese Krankheit meinen Alltag. Inzwischen führe ich aber ein zufriedenes und abstinentes Leben.
In mein Leben getreten ist die Bulimie in meiner Teenagerzeit – nach der Scheidung meiner Eltern. Ich war damals in emotionale Konflikte mit den neuen Lebenspartnern meiner Eltern verwickelt und fühlte mich von meinen Eltern im Stich gelassen.
Während ich früher meine Meinung und meine Gefühle unverblümt äußerte, traute ich mich dies bei meinem Vater und seiner Partnerin nicht mehr. Ich wollte es mir mit ihnen nicht auch noch verscherzen und hatte das Gefühl, dass ich, wenn ich mich öffnete, nur auf Ablehnung stieß.
So entwickelte sich die Bulimie als Ventil: All die Gefühle und Bedürfnisse, die ich mich nun nicht mehr traute zu äußern, fraß ich nun wortwörtlich in mich hinein und kotzte sie wieder aus. Danach fühlte ich mich emotional komplett leer und körperlich müde und ausgelaugt, was mir ein angenehmes Gefühl der Gleichgültigkeit und Erleichterung verschaffte.
Gleichzeitig nahm ich dadurch anfangs sichtbar an Gewicht ab, was mir Aufmerksamkeit von meiner Umwelt verschaffte und scheinbar mein kaputtes Selbstbewusstsein streichelte. Das Gewicht auf der Waage zu sehen, gab mir einen Kick und ein Gefühl von Leichtigkeit.
Als ich tief in der Sucht steckte, ging ich als Folge des gestörten Elektrolythaushaltes und der eingeschränkten Energieaufnahme benommen durch den Tag. Das empfand ich damals als angenehm, weil ich so scheinbar besser mit dem für mich sinnlosen, trostlosen und mühsamen Alltag klarkam. Gleichzeitig fühlte ich mich sehr einsam.
Raus aus dieser Sucht geschafft habe ich es letztendlich durch einige Veränderungen in meinem Leben, verschiedene Therapien und die Unterstützung des Freundeskreises.
Die Selbsthilfegruppe vom Freundeskreis war und ist für mich auf meinem Weg eine große Stütze. Zum ersten Mal traf ich dort auf Menschen, bei denen ich das Gefühl hatte, dass ich WIRKLICH verstanden werde. Ich machte die Erfahrung, genauso angenommen zu werden, wie ich bin – auch mit meinen dunklen Seiten.
Dort hatte ich zum ersten Mal einen Raum, in dem ich über meine Probleme reden konnte, Unterstützung bekam und von den unterschiedlichsten Erfahrungen der Gruppenmitglieder profitierte. Die Gruppe und der Verein halfen mir mit ihren diversen Seminar- und Freizeitangeboten außerdem dabei, aus meiner Isolation herauszukommen. Ich lernte dort in einem geschützten Umfeld, meine sozialen Kompetenzen weiter auszubauen und erlangte neues, echtes Selbstbewusstsein.
Heute bin ich noch immer Mitglied des Freundeskreises und Teil einer örtlichen Gruppe. Dies hilft mir, auch langfristig abstinent zu bleiben.
Als Moderatorin der Online Gruppe möchte ich anderen Betroffenen den Raum geben, den ich selbst damals so dringend gebraucht habe. Vor allem möchte ich vermitteln, dass es möglich ist, aus der Sucht herauszukommen und wieder ein zufriedenes Leben zu führen.